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Das Bild im Bild – über die fortlaufende Serie „I was there“ von Alireza Husseini


Eine Hand hält eine Schwarzweißfotografie ins Bild und irgendwie passt der Teil ins Ganze, aber irgendwie auch nicht. Der Kontrast zwischen dem altmodisch wirkenden Foto in Graustufen und der farbigen Umgebung fällt auf, doch es ist derselbe Ort. Der Künstler Alireza Husseini arbeitet mit Fotografien von Wilhelm Hauschild, einem Hannoveraner Fotojournalisten, dessen Archiv im Historischen Museum Hannover lagert. Doch Hauschild hat auch für die VHS Hannover fotografiert und das alte Foto aus dem VHS-Archiv zeigt zwei Teilnehmer*innen eines Malkurses am Leineufer – dem heutigen Hauptsitz der VHS – Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre. Schauen Sie auf die Details, der Objekte, die in beiden Bildern zu finden sind, aber auch auf die, die die Jahrzehnte nicht überdauert haben. Die Bronzeskulptur „Mann mit Pferd" des Bildhauers Hermann Scheuernstuhl, die 1957 ihren Platz am Hohen Ufer fand, passt ebenso wie die Mauer. Und wo vor mehr als einem halben Jahrhundert Teilnehmer*innen zeichneten, sitzen heute Menschen und arbeiten mobil, genießen das Wetter oder eine der neu geschaffenen Lokalitäten.

Foto: Alireza Husseini mit einem Hauschild-Bild aus dem VHS-Archiv

Dieser Kontrast wird vor allem durch die Zweifarbigkeit bestimmt, dadurch, dass Schwarzweiß auf Farbe trifft. Dies entspricht nicht der üblichen Arbeitsweise des Künstlers Husseini, der im Cameo Kollektiv aktiv ist. Um die Fotografie als Teil der fortlaufenden Serie „I was there“ anzusehen, muss das gesamte Bild in Graustufen sein. Diese Arbeit besteht. Durch das Monochrome des Bildes verschwimmen die Grenzen von Zeit und der Titel „I was there“ („ich war da(bei)“) bekommt eine weitere Bedeutung, denn es ist nicht alleine das Aufsuchen des Ortes, sondern auch ein Sprung in der Zeit. Husseini wird ein Zeitzeuge und unterstreicht das Es-ist-so-gewesen von Roland Barthes (aus „Die helle Kammer“), also die Indexikalität, die Beweiskraft, die Fotografien früher zugesprochen wurde. Gerade das Hinterfragen und das Aufzeigen dieser Beweiskraft führt zu einem Spannungsfeld, zu einer Irritation und einem genaueren Hinsehen. Was ist eigentlich abgebildet? Wann wurde das aufgenommen? Dieses und jenes ist an diesem Ort geschehen? Gleichzeitig findet der Übertrag in die heutige Zeit statt: Zeigen Fotografien noch die Wirklichkeit oder sind sie im Zuge der Digitalisierung nur als eine Collage von Pixeln anzusehen, die beliebig verschoben und verändert werden können?

Foto: Alireza Husseini mit einem Hauschild-Bild aus dem VHS-Archiv

Aus Sicht der VHS Hannover auf das Bild zu schauen, ist sehr spannend für mich, denn es verdeutlicht viele Ansätze unserer Arbeit. Zum einen zeigt es auf, dass es Kreativangebote schon lange gibt, zum anderen zeigt es die VHS Hannover an ihrem heutigen Standpunkt im Herzen der Altstadt in der Nähe vieler Kooperationspartner*innen und Ministerien. Es bildet auch eine Brücke zur Tradition und dem Jetzt mit den Querschnittsaufgaben Digitalisierung, kulturelle Bildung und – vertreten durch den Künstler mit Migrationsgeschichte – Integration. Zum 100jährigen Jubiläum der Volkshochschule Hannover ist diese fotografische Arbeit eine sehr gute Illustration, die auch das Motto „100 Jahre Wissen teilen“ verdeutlicht.

Text: Stephan Kaps, Programmbereichsleiter Kultur und Kreativität an der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule (VHS) Hannover


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