Vergessene Welten und blinde Flecken - Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens

Dr. Ladislaus Ludescher, Germanistisches Seminar der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg

1. bis 30. November - Galerie 14zwo der VHS Hannover

Nicht selten weisen Medien einen blinden Fleck auf, wenn es sich um den Globalen Süden (sog. Dritte Welt- bzw. sog. Entwicklungs- und Schwellenländer) handelt. 

So wurde über die verheerende mangelnde Nahrungsmittelversorgung in Ostafrika und der Tschadseeregion, durch die Ende des Jahres 2017 fast 37 Mio. Menschen vom Hungertod bedroht waren und die UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien als größte drohende humanitäre Krise seit der Gründung der Vereinten Nationen bezeichnet hatte, kaum berichtet. Auch der Jemen, wo 2017 die größte jemals in der Geschichte gemessene Cholera-Epidemie ausbrach, gehört zu den medial vergessenen Welten, denen keine Sondersendungen gewidmet werden.

Die Ausstellung „Vergessene Welten und blinde Flecken“ stellt die wichtigsten Ergebnisse einer Langzeitstudie vor, in der u.a. über 5.100 Sendungen der „20:00 Uhr-Tagesschau“ aus den Jahren 1996 und 2007-2019 ausgewertet wurden. 

Die Daten zeigen deutlich, dass die Berichterstattung geografisch sehr unausgewogen ist. Während dem sog. Westen weit überproportional hohe Aufmerksamkeit zufällt, werden zahlreiche Staaten des Globalen Südens an den Rand gedrängt oder teilweise sogar ignoriert. 

Im „Corona-Jahr“ 2020 hat sich die Situation sogar noch zugespitzt: In nur etwa 5% der Sendezeit, in der sich die „Tagesschau“ mit der Pandemie beschäftigte, berichtete sie über die Lage im Globalen Süden. Viele Katastrophen, wie die Zunahme der Hungernden auf der Welt in dieser Zeit um ca. 130 Mio. Menschen auf insgesamt 820 Mio., wurden fast gar nicht berücksichtigt. Hierzu gehören auch die Auswirkungen des Super-Zyklons „Amphan“, der im Mai 2020 Küstenregionen von Indien und Bangladesch verwüstete und von dem ca. 60 Mio. Menschen betroffen waren. 

Die Ausstellungstafeln sowie die Studie selbst können unter folgender Adresse kostenlos eingesehen und heruntergeladen werden: www.ivr-heidelberg.de
Auf der Internetseite ist auch eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Ergebnissen als Video-Präsentation zu finden sowie eine Unterschriften-Petition zur Beendigung der medialen Vernachlässigung des Globalen Südens.