Fakten, Fakes und Fiktionen

Vortragsreihe: Von der Hexenverfolgung bis heute

Verschwörungsmythen sind keine Phänomene längst vergangener Zeiten. Auch heute sind Fake News und irrationale Überzeugungen in der Gesellschaft präsent. Sie sind gefährlich, weil sie schnell handlungsleitend werden und zerstörerisch wirken können. Umso wichtiger ist es, dass sich die Wissenschaft mit Verschwörungsmythen und postfaktischen Diskursen auseinandersetzt und sie der Öffentlichkeit transparent macht.

Die Vorträge der Reihe geben Einblicke in unterschiedliche Forschungsansätze der Leibniz Universität Hannover. Sie thematisieren umstrittene Wirklichkeiten zur Zeit der Hexenverfolgung ebenso wie gezielte Desinformationen in Nachrichtenvideos heute und klären über falsche Wahrnehmungen von IT-Sicherheit auf sowie über verschwörerische Attacken in den sozialen Netzwerken. Sie zeigen auch, dass Fake als literarisches Mittel ein feinsinniges wie kritisches politisches Statement sein kann. Außerdem machen sie deutlich, dass es möglich ist, wissenschaftliche Wahrheiten mit der Dynamik wissenschaftlichen Fortschritts in Einklang zu denken, ohne irrationalen Überzeugungen und Verschwörungsmythen verfallen zu müssen.

FakeNarratives: Desinformation und Narrative in Nachrichtenvideos

Mittwoch | 28.09.2022 | 19 Uhr

Das Projekt FakeNarratives forscht daran, Falschmeldungen in Nachrichtenvideos mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) zu erkennen und Empfehlungen für eine glaubwürdige Darstellung von Informationen in Nachrichten zu erarbeiten. Mit Hilfe von KI werden dazu Erzählstrategien in Nachrichtenvideos analysiert, die ursprünglich aus dem Bereich des Spielfilms stammen (z.B. Emotionalisierungen). Auf dieser Grundlage können Vergleiche zwischen der Verwendung von Erzählungen in öffentlich-rechtlichen Nachrichten und in „alternativen“ Nachrichtenvideos gezogen und Muster identifiziert werden, die für Fake News typisch sind. So lassen sich Falschmeldungen in Nachrichtenvideos identifizieren.

  • Prof. Dr. Ralph Ewerth

Professor für Visual Analytics, Institut für Verteilte Systeme, Leibniz Universität Hannover

Über Deep Fakes und falsche Wahrnehmungen von IT-Sicherheit

Mittwoch | 12.10.2022 | 19 Uhr

Deep Fakes, also durch automatisierte Manipulation erzeugte bildliche Inhalte, sind geeignet, Diskurse und Meinungen zu manipulieren. In diesem Vortrag werden ausgehend vom Deep- Fake-Problem falsche Annahmen von IT-Sicherheit in der digitalen Welt vorgestellt. Die Beispiele reichen von (Falsch-)Wahrnehmungen zur Sicherheit digitaler Kommunikation im E-Mail-Verkehr und bei der Datenübertragung im Internet (HTTPS) über vermeintliche und echte Sicherheitslücken in öffentlichen W-LANs und in privaten Netzwerken (VPN) bis hin zu Möglichkeiten des Ausspähens von Passwörtern und digitalen Endgeräten. 

  • Prof. Dr. Markus Dürmuth

Professor für Usable Security and Privacy, Institut für IT-Sicherheit, Leibniz Universität Hannover

Umstrittene Wirklichkeit: Hexenwerk an der Schwelle zur Moderne

Mittwoch | 02.11.2022 | 19 Uhr

Geschichten über Hexer und Hexen faszinieren – immer wieder und immer noch. Historisch gesehen sind vor allem die Hexenverfolgungen aus der Frühen Neuzeit relevant, die unzählige Männer, Frauen und Kinder das Leben kosteten. Neuere Studien haben die sozialen Logiken der Hexenverfolgung erforscht, wobei die Beziehungen und Übergänge zwischen Imaginärem und Realem eine wesentliche Rolle spielen. Hier setzt auch der Vortrag zu umstrittenen Wirklichkeiten an. Im Wechsel zwischen szenischer Lesung ausgewählter Protokolle aus hannoverschen Prozessen von Hexerei und exemplarischen Fallanalysen wird die frühneuzeitliche Wirklichkeit in ihrer eigenen Logik beleuchtet.

  • Prof. Dr. Michaela Hohkamp

Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit, Historisches Seminar, Leibniz Universität Hannover

  • Katharina Peter

Autorin und Dramaturgin, Vorstand Theatrum e.V.

Fake als literarisches Erkenntnisinstrument.

Mittwoch | 16.11.2022 | 19 Uhr

Christian Krachts und Eckhart Nickels „Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal“

Der Vortrag befasst sich mit Aspekten von Störung und Entstörung in Christian Krachts und Eckhart Nickels Buch. Es wird analysiert, welche reiseliterarischen Traditionslinien verwendet und wie die auf einen Reiseführer eingestellten Erwartungen enttäuscht werden. Dabei wird ein kreatives Spiel mit dem Fake deutlich, das Fragen politischer Korrektheit und reiseliterarischer Redlichkeit aufwirft. Gegen den Vorwurf popliterarischer Flachheit wird im Vortrag eine Lesart entwickelt, die in literarischen Fakes ebenso subtile wie kritische politische Statements entdeckt.

  • Prof. Dr. Matthias N. Lorenz

Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover

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