Asteroidenalarm an der Sophienschule

150 Schüler*innen der Stufe 10 erkunden spielerisch das Gesetzgebungsverfahren der EU

Wie bekommt man bei der EU ein Gesetz auf den Weg? Wo tagt nochmals das Parlament? Und wie kommen wir an die Schlümpfe in der Kiste? – Vor solchen Fragen standen letzte Woche 150 Schülerinnen und Schüler der Sophienschule in Hannover. Sie spielten das Escape-Spiel „Asteroidenalarm“ der Volkshochschule Hannover, die dazu mit Sack und Pack für eine Woche an die Schule im Zooviertel gekommen war. Bei „Asteroidenalarm“ geht es darum, die Welt zu retten; und nebenher zu verstehen, wie die Europäische Union funktioniert. 

„Asteroidenalarm“ ist ein Spiel für Teams von acht bis zwölf Personen, das nach dem Prinzip der inzwischen recht etablierten „Escape Rooms“ funktioniert. Innerhalb einer Stunde  müssen die Teilnehmenden Aufgaben lösen, die in phantasievoll gestalteten Requisiten im Raum verborgen sind und die einer Geschichte folgen. Bei „Asteroidenalarm“ geht es um die Bedrohung des Planeten Erde durch einen großen Asteroiden. Die Spieler*innen finden sich in der Rolle von Wissenschaftler*innen, die einen Schutzschirm gegen Asteroiden entwickelt haben; doch sie brauchen Geld, um den Schutzschirm zu bauen, und sie hoffen, dieses Geld möglichst schnell von der Europäischen Union zu bekommen. Dazu müssen sie verstehen, wie in der Europäischen Union Entscheidungen getroffen werden, sprich: wie die EU Gesetze ausarbeitet und beschließt, unter Mitarbeit der wichtigsten Institutionen: Kommission, Parlament und Rat. 

Die Ada-und-Theodor-Lessing Volkshochschule hatte das Spiel vor zwei Jahren im Rahmen eines von der EU über das Programm Erasmus+ finanzierten internationalen Kooperationsprojekts entwickelt. Seither war das Spiel nicht nur in zahlreichen Spielrunden an der Volkshochschule in Hannover (und andernorts in Niedersachsen) im Einsatz sondern auch an Schulen, speziell in der zehnten Jahrgangsstufe an Gymnasien, wo die Europäische Union zum Unterrichtsplan gehört. Das Spiel bietet in die oft als trocken empfundene Materie der EU einen intensiven, spaß-, erlebnis-, und teamwork-orientierten Zugang. Die Spieler*innen-Teams entdecken in dem mit EU- und Weltraumthemen gestalteten Raum Schritt für Schritt den Gesetzgebungsprozess in der EU: Wer arbeitet den Gesetzentwurf aus? Wer muss ihm zustimmen?  Wer wählt die Abgeordneten? Dafür haben sie genau eine Stunde Zeit. Ein großer Monitor im Raum zeigt neben der tickenden Uhr einen Blick in die Sterne und den bedrohlich herannahenden Asteroiden. Am Ende des Spiels steht – typischerweise nach exakt einer Stunde – die Finanzierung für den Asteroidenschutzschirm, symbolisiert durch Schoko-Euros in einer Geldkassette. Das Spielleiter-Team der VHS sorgt mit an die Gruppendynamik angepassten Tipps dafür, dass die Teams das Ziel möglichst gerade so erreichen und ein Erfolgserlebnis haben. 

Im Anschluss setzen sich Schüler*innen, Lehrkräfte und die Pädagogen der VHS im Stuhlkreis zusammen, besprechen das Erlebte, analysieren ihre Zusammenarbeit und vertiefen in der Diskussion die Kenntnisse zu institutionellem Aufbau und Gesetzgebungsverfahren der EU. 

Es war bereits das zweite Mal, dass die VHS Hannover mit dem Spiel für eine Woche an der Sophienschule zu Gast war. Politik-Lehrer Harry Lubs, der die Aktion an der Sophienschule koordinierte, ist begeistert: „Das Spiel bietet einen ganz anderen Zugang zur EU. Wann erlebt man es schon mal im Politikunterricht, dass die Schüler*innen vor Begeisterung jubeln! Das kennen wir sonst eigentlich nur im Sport.“  

In diesem Jahr 2024 hat das Spiel für die beteiligten Zehntklässler*innen eine besondere Bedeutung: Alle, die am 9. Juni 16 Jahre alt sind, haben das Recht, sich an der Europawahl zu beteiligen – der Wahl zum Europäischen Parlament. Das Wahlalter dafür ist erstmals auf 16 Jahre gesenkt worden. 

Ihr Ansprechpartner

Christian Geiselmann
Pädagogischer Mitarbeiter EU-Projekte

Telefon: 0511.168- 4 57 70
 eu-projekte.vhs@hannover-stadt.de